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Schilddrüsenunterfunktion/Hypothyreose beim Hund: Eine kurze Übersicht über die (sinnvolle) Labor- Diagnostik

Offenbar gibt es zahlreiche Internet-Foren,in denen Schilddrüsenwerte diskutiert werden.

Dabei werden häufig von Einzelfällen allgemeine Aussagen abgeleitet oder wissenschaftlich klingende Begriffe wie subklinische Hypothyreose (die in der Humanmedizin zum Teil gerechtfertigt sind, in der Tiermedizin meist aber nur unzureichende Diagnostik verschleiern sollen) verwendet.

Wie Menschen können auch Hunde an einer Schilddrüsenunterfunktion erkranken (Katzen neigen eher zu einer Überfunktion).

Es gibt diverse Schilddrüsen-spezifische Parameter, aber nicht alle sind zur Diagnosestellung notwendig oder gar sinnvoll

Typische Symptome eíner Unterfunktion sind Lethargie, Haarkleid- und Hautveränderungen, Gewichtszunahme und auch Verhaltensauffälligkeiten.

Bei der Blutuntersuchung fällt vor allem ein erniedrigter Schilddrüsenhormon-Spiegel (T4) auf. Außerdem muss für eine sichere Diagnosestellung der TSH-Spiegel gemessen werden.

TSH ist ein Hormon aus der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse). Es stimuliert die Schilddrüse, Schilddrüsenhormon (T4 und T3) zu produzieren.

Ist der T4-Wert erniedrigt und der TSH-Wert erhöht handelt es sich eindeutig um eine Unterfunktion und der Patient sollte Thyroxin in Form von (meist) Tabletten bekommen.

Ist der T4-Wert erniedrigt und der TSH-Wert normal ist das Ergebnis nicht eindeutig.

Meist liegt dann ein sogenanntes “Euthyroid Sick Syndrom” vor (übersetzt: Krankheitssyndrom mit normaler Schilddrüsenfunktion).

Dabei wird die Schilddrüse, die eigentlich normal funktioniert, durch eine andere Erkrankung (z.B. Infekte, Nebennierenerkrankungen) oder Medikamente (z.B. Sulfonamide, Kortisone) gehemmt.

Es kann sich aber auch um eine atypische Unterfunktion handeln. Anders als beim Menschen ist das TSH nämlich nicht immer verändert.

Zur Differenzierung der Möglichkeiten ist es am besten, nach einigen Wochen Kontrolluntersuchungen durchzuführen.

Alternativ kann ein Stimulationstest durchgeführt werden.

Es ist jedoch nicht sinnvoll bei diesen Werten direkt Schilddrüsenhormone in Tablettenform zu verabreichen.

Die Therapie der Schilddrüsenunterfunktion ist eine lebenslange Therapie; daher ist es vernünftig zunächst die Diagnose abzusichern, auch wenn das mehrere Blutproben beinhalten kann.

Die weiteren Schilddrüsenwerte:>

>Freies T4 (fT4): Hier handelt es sich um das freie bzw. nicht Eiweiß-gebundene T4. Eigentlich ist das freie T4 das biologisch aktive T4. Allerdings wird derzeit in keinem der deutschen Labore die Messung im Gleichgewichtsdialyse-Verfahren angeboten. Die Messung mit den angebotenen Messverfahren hat keine Vorteile gegenüber dem “Standard” T4 oder Gesamt-T4

T3: Die Schilddrüse produziert neben T4 auch T3. Außerdem wird T4 in den Körperzellen teilweise zu T3 umgewandelt (durch ein De-Jodase-Enzym). T3 hat eine deutlich stärkere Wirkung als T4.

Für die Messung des T3 sind die derzeitigen Messverfahren in Deutschland aber nicht ausreichend validiert und die beim Menschen auftretende Störung der Umwandlung von T4 zu T3 ist beim Hund bisher weltweit nicht beschrieben (Es gibt zwar Hunde die einen normalen T4-Spiegel und einen zu niedrigen T3-Spiegel haben, aber Ursache hierfür ist in der Regel das nicht ausreichend validierte Messverfahren).

Eine Messung des T3-Spiegels ist beim Hund also nicht notwendig oder sinnvoll.

fT3: hier gilt das für T3 gesagte. Eine Messung ist nicht sinnvoll bzw. nicht notwendig.

Autoantikörper: Für Spezialfälle interessant, aber für die eigentliche Diagnosestellung nicht notwendig.

Fazit:

T4 und TSH messen, die anderen Parameter (außer allgemeine Blutchemie und Blutbild) sind nur in sehr seltenen Spezialfällen notwendig (ggf. dann Einsendung ans Spezial-Labore bspw. Michigan State University, USA).

Weitere Fragen beantworten wir Ihnen gerne im direkten Gespräch.

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